Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule (BWS) – Diagnose
Was ist ein Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule?
Die Brustwirbelsäule (BWS) ist mit ihren zwölf Wirbeln der stabilste Abschnitt der Wirbelsäule – stabilisiert zusätzlich durch den Brustkorb, der mit den Rippen an die BWS angebunden ist. Genau diese Stabilität ist auch der Grund, warum ein Bandscheibenvorfall der BWS – auch thorakaler Bandscheibenvorfall genannt – sehr selten vorkommt: Schätzungen zufolge betreffen nur etwa 0,2 bis 1 Prozent aller symptomatischen Bandscheibenvorfälle die Brustwirbelsäule.
Wenn ein BWS-Bandscheibenvorfall auftritt, sind die Beschwerden trotzdem ernst zu nehmen. Anders als an der HWS oder LWS verläuft im Brustbereich das Rückenmark selbst durch den Spinalkanal – der knöcherne Kanal ist hier eng, der seitliche Spielraum gering. Schon ein vergleichsweise kleiner Vorfall kann deshalb spürbare Folgen haben.
Warum ein BWS-Vorfall oft schwer zu erkennen ist
Welche Symptome verursacht ein Bandscheibenvorfall der BWS?
Die Symptome eines BWS-Bandscheibenvorfalls sind oft untypisch und schwer einzuordnen – das macht die Diagnose nicht einfach. Mögliche Hinweise:
- Gürtelförmige Schmerzen, die einseitig oder beidseitig vom Rücken um den Brustkorb oder die Bauchwand ziehen
- Atemabhängige Schmerzen im mittleren Rücken
- Schmerzen, die sich beim Husten, Niesen oder Pressen verstärken
- Gefühlsstörungen (Kribbeln, Taubheit) in einem Hautareal des Brustkorbs oder Bauchs (sogenannte Dermatom-Verteilung)
- Bei größerem Vorfall mit Rückenmarkdruck: Gangunsicherheit, Schwäche oder Gefühlsstörungen in den Beinen sowie – im fortgeschrittenen Stadium – Blasen-/Mastdarmstörungen
Wichtiger Hinweis – Differenzialdiagnose: Gürtelförmige Brustschmerzen werden häufig mit Erkrankungen des Herzens, der Lunge oder der inneren Organe (Magen, Galle) verwechselt. Bevor wir einen BWS-Vorfall diagnostizieren, schließen wir solche Ursachen sicher aus – manchmal in Zusammenarbeit mit Hausarzt oder Internisten.
Wie entsteht ein BWS-Bandscheibenvorfall?
Die Auslöser sind ähnlich wie an HWS und LWS:
- Bandscheibenverschleiß (Degeneration), oft nach Jahrzehnten
- Verkalkungen der Bandscheibe – an der BWS überdurchschnittlich häufig im Vergleich zu HWS und LWS
- Genetische Veranlagung
- Gelegentlich Trauma, etwa nach Stürzen mit Stauchung der Wirbelsäule
- Statische Fehlbelastungen (z. B. ausgeprägte Kyphose – „Rundrücken” – bei Osteoporose)
Wie wird die Diagnose gestellt?
Wegen der untypischen Beschwerden ist die fachärztliche Einordnung besonders wichtig:
- Anamnese – inklusive der Frage, ob Beschwerden lage- oder atemabhängig sind, wo genau der Schmerz beginnt und wohin er ausstrahlt
- Körperliche Untersuchung – mit gezielter neurologischer Prüfung der unteren Extremität (Reflexe, Kraft, Sensibilität, Myelopathiezeichen)
- MRT der BWS – das wichtigste Verfahren, weil hier Bandscheibe und Rückenmark im Detail darstellbar sind. Häufig ist eine gezielte BWS-MRT nötig, weil routinemäßige Wirbelsäulen-MRTs oft nur HWS oder LWS abdecken
- CT ergänzend, wenn Verkalkungen oder knöcherne Veränderungen vermutet werden
- Differenzialdiagnostik – Ausschluss von Herz-, Lungen- und Bauchorganerkrankungen
Häufig gestellte Fragen zur Diagnose
Die Brustwirbelsäule ist durch den Brustkorb mit seinen Rippen strukturell besonders stabil. Die BWS-Wirbel sind weniger beweglich als HWS- und LWS-Wirbel, die Belastung auf die Bandscheiben fällt entsprechend geringer aus. Genau das schützt sie davor, so häufig „durchzubrechen” wie die Bandscheiben in den anderen Wirbelsäulenabschnitten.
Ja – das ist sogar einer der häufigeren Stolpersteine in der Diagnostik. Linksseitige, gürtelförmige BWS-Schmerzen können denen einer Herzerkrankung ähneln. Genauso kann ein Vorfall in der mittleren oder unteren BWS Beschwerden auslösen, die zunächst an Galle, Magen oder Lunge denken lassen. Deshalb gehört zur Diagnostik immer der klare Ausschluss anderer Ursachen – zum Schutz vor falscher Therapie.
Bei Beschwerden ohne neurologische Ausfälle steht zunächst die konservative Therapie im Vordergrund – Schmerzmittel, Physiotherapie, gezielte Infiltrationen. Eine Operation kommt vor allem dann in Frage, wenn das Rückenmark deutlich bedrängt wird und Zeichen einer Myelopathie auftreten (Gangunsicherheit, Schwäche oder Gefühlsstörungen in den Beinen, Blasen-/Mastdarmstörungen). Operationen an der BWS sind technisch anspruchsvoll und werden in unseren spezialisierten Partnerkliniken durchgeführt.
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